Elektrisches Heizen kann bequem sein, aber die Monatskosten schwanken stark. Entscheidend sind nicht nur der Strompreis, sondern vor allem Heizart, Dämmstandard, Wohnfläche und Nutzungsverhalten. Ich ordne die typischen Kosten ein, zeige belastbare Rechenbeispiele für Deutschland und erkläre, wann eine Stromheizung sinnvoll ist und wann sie schnell zur Kostenfalle wird.
Die Monatskosten hängen vor allem von Gebäude und Heizart ab
- Bei rund 37 ct/kWh kosten 1.000 kWh Strom etwa 370 Euro im Jahr.
- Direktheizungen, Heizlüfter und Infrarot arbeiten teuer, weil sie Strom fast 1:1 in Wärme umsetzen.
- Eine 70-m²-Wohnung liegt je nach Effizienz grob zwischen rund 30 und 430 Euro pro Monat.
- Eine Wärmepumpe gehört in eine eigene Kostenklasse, weil sie aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme macht.
- Im Bestand entscheidet oft die Gebäudehülle stärker über die Rechnung als das Heizgerät selbst.
Warum der Heiztyp den Monatsbetrag so stark verschiebt
Ich trenne bei dieser Frage immer zuerst zwischen Direktstrom und Wärmepumpe. Beides läuft mit Strom, aber wirtschaftlich ist es nicht dasselbe.
| System | Was technisch passiert | Laufende Kosten | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Direktheizung und Heizlüfter | Strom wird direkt in Wärme umgewandelt | hoch | Gut für kurze, punktuelle Nutzung |
| Infrarotheizung | Direkt elektrisch, Wärme über Strahlung | hoch | Komfortabel, aber kein Effizienztrick |
| Elektrische Fußbodenheizung | Heizkabel oder Matten erwärmen den Bodenaufbau | eher hoch | Angenehm, aber nur bei niedrigem Bedarf wirklich sauber kalkulierbar |
| Nachtspeicherheizung | Wärme wird nachts gespeichert und tagsüber abgegeben | hoch bis sehr hoch | Typischer Sanierungsfall im Bestand |
| Wärmepumpe | Sie nutzt Umweltwärme und braucht Strom nur als Antrieb | deutlich niedriger | Meist die wirtschaftlichere Stromlösung |
Für Infrarotpaneele gilt im Kern dasselbe wie für andere Direktheizungen: Der Komfort kann gut sein, der kWh-Verbrauch bleibt aber hoch. Genau deshalb lohnt sich die Unterscheidung vor jeder Kostenrechnung. Erst die Technik klären, dann überhaupt über Euro pro Monat sprechen.

So rechne ich die Monatskosten realistisch aus
Die einfache Formel lautet: Jahresverbrauch in kWh × Strompreis pro kWh, geteilt durch 12. Mit dem derzeitigen Haushaltsstrompreis von rund 37,0 Cent pro kWh, den der BDEW für 2026 ausweist, kosten 1.000 kWh etwa 370 Euro im Jahr.
Für eine erste Einordnung rechne ich gern mit einer 70-m²-Wohnung und verschiedenen Heizbedarfen:
| Heizbedarf | Jahresverbrauch | Jahreskosten | Monatskosten |
|---|---|---|---|
| 15 kWh/m²a | 1.050 kWh | 389 Euro | 32 Euro |
| 50 kWh/m²a | 3.500 kWh | 1.295 Euro | 108 Euro |
| 100 kWh/m²a | 7.000 kWh | 2.590 Euro | 216 Euro |
| 150 kWh/m²a | 10.500 kWh | 3.885 Euro | 324 Euro |
| 200 kWh/m²a | 14.000 kWh | 5.180 Euro | 432 Euro |
Wichtig ist der Blick auf die Details: Der Grundpreis des Tarifs, ein separater Heizstromzähler oder Messkosten sind hier noch nicht eingerechnet. Gerade bei wenig Verbrauch verschiebt dieser feste Anteil die Bilanz spürbar nach oben. Bei 7.000 kWh Jahresverbrauch verändert schon 1 Cent pro kWh die Monatsrechnung um knapp 5,80 Euro.
Aus der Praxis merkt man schnell, wie empfindlich die Rechnung auf Laufzeiten reagiert: Jede zusätzliche Stunde, jede höhere Solltemperatur und jeder schlechte Tarif schlagen direkt durch. Genau deshalb ist eine grobe Faustzahl immer nur der Einstieg, nie die ganze Antwort.
Warum Altbau und Denkmal die Rechnung kippen können
In einem gut gedämmten Neubau bleibt die Wärme lange im Haus. In älteren Gebäuden ist das oft anders: Wärme geht über Fassade, Fenster, Dach, Kellerdecke und viele kleine Undichtigkeiten verloren. Dann wird aus einer scheinbar simplen Stromheizung schnell eine sehr teure Dauerlösung.
- Undichte Fenster und Türen erhöhen den Verbrauch sofort.
- Ungedämmte Dächer und Kellerdecken treiben die Laufzeit hoch.
- Hohe Räume und große Nebenflächen verteilen die Wärme schlechter.
- Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind Eingriffe an der Hülle oft begrenzt, deshalb bleibt der Wärmebedarf häufiger höher.
Gerade bei historischer Bausubstanz ist das der entscheidende Punkt: Wenn die Fassade nicht beliebig gedämmt werden darf oder ein Fenstertausch nur eingeschränkt möglich ist, muss die Heiztechnik besonders diszipliniert mit dem vorhandenen Wärmebedarf umgehen. In solchen Häusern zählt nicht die schicke Heizfläche an der Wand, sondern die Frage, wie viel Energie das Gebäude überhaupt halten kann. Für mich ist das der Punkt, an dem man zuerst die Hülle prüft und erst dann über das Heizsystem entscheidet. Aus dieser Einordnung ergibt sich ziemlich klar, welche Einsatzfälle vertretbar sind und welche ich meiden würde.
Wann Stromheizung sinnvoll ist und wann nicht
Es gibt Situationen, in denen elektrische Heizung pragmatisch ist: kleine Flächen, selten genutzte Räume, sehr gute Dämmung oder Sanierungen, bei denen der Eingriff bewusst klein bleiben soll. Für den Dauerbetrieb auf größerer Wohnfläche rechne ich dagegen sehr streng.
| Einsatzfall | Meine Einschätzung | Warum |
|---|---|---|
| Passivhaus oder sehr gut sanierter Neubau | bedingt sinnvoll | Der Heizwärmebedarf ist so niedrig, dass Direktstrom nicht sofort aus dem Ruder läuft. |
| Kleine Bad- oder Zusatzheizung | sinnvoll | Kurze Laufzeiten machen den hohen kWh-Preis eher erträglich. |
| Denkmal mit begrenzten Eingriffen | bedingt sinnvoll | Wenn die Hülle nur schrittweise verbessert werden kann, ist zoniertes Heizen manchmal die sauberste Übergangslösung. |
| Normale Wohnung im unsanierten Altbau | eher nicht | Die laufenden Kosten steigen meist so stark, dass der Komfortvorteil teuer erkauft wird. |
| Wärmepumpe als Stromlösung | meist klar besser | Sie macht aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme. |
co2online beschreibt für Wärmepumpen im Mittel eine Jahresarbeitszahl von etwa 4. Das heißt praktisch: Aus 1 kWh Strom werden rund 4 kWh Wärme. Rechne ich ein Gebäude mit 7.000 kWh Wärmebedarf dagegen, lande ich bei einer Wärmepumpe grob bei 54 bis 72 Euro pro Monat Stromkosten statt bei rund 216 Euro mit einer Direktheizung. Das ist der Unterschied, den man bei der Entscheidung nicht kleinreden sollte.
Ich würde deshalb nie nur fragen, ob etwas mit Strom heizt, sondern immer, wie viel Wärme pro Kilowattstunde herauskommt. Genau an dieser Stelle trennt sich vernünftige Planung von teuren Kompromissen. Wenn die Technik steht, entscheidet am Ende vor allem der Alltag über die Rechnung.
Wie sich die laufenden Kosten spürbar senken lassen
Die größten Hebel sind meistens unspektakulär. Ich würde immer mit Temperatur, Laufzeiten und Gebäudehülle anfangen, nicht mit teuren Zusatzgeräten.
- Raumtemperatur um 1 Grad senken. Als Faustregel lassen sich damit rund 6 Prozent Heizenergie sparen.
- Nur genutzte Zonen beheizen. Ein Gästezimmer muss nicht dieselbe Temperatur haben wie der Wohnbereich.
- Thermostate sauber programmieren. Passende Regelung kann bis zu 10 Prozent Heizenergie sparen.
- Zugluft beseitigen. Dichtungen an Fenstern und Türen sind günstig und wirken bei Stromheizung direkt auf die Rechnung.
- Warmwasser und Heizung nicht vermischen. Wer zusätzlich elektrisch Wasser erwärmt, verschiebt die Kosten oft unbemerkt nach oben.
- PV sinnvoll nutzen. Bei Eigenstrom kann elektrische Heizung tagsüber günstiger werden, aber nur, wenn die Laufzeiten zum Solarertrag passen.
In der Praxis ist 1 Grad weniger kein Kleinkram, sondern bei hohem Verbrauch schnell ein dreistelliger Betrag pro Jahr. Bei 7.000 kWh Heizstrom spart man mit dieser kleinen Korrektur grob 155 Euro jährlich, bei 10.500 kWh schon über 230 Euro. Genau deshalb lohnt sich zuerst die Regelung, dann die Technik. Am Ende zählt aber nicht nur das Sparen, sondern ein realistischer Gesamtblick auf das, was 2026 wirklich normal ist.
Welcher Kostenrahmen 2026 wirklich realistisch ist
Wenn ich die Monatskosten ehrlich einordne, lande ich grob in drei Bereichen: sehr effiziente Gebäude mit etwa 30 bis 100 Euro, durchschnittliche Bestandswohnungen mit etwa 100 bis 250 Euro und unsanierte oder schlecht gesteuerte Anlagen oft deutlich darüber. Direktheizung und Nachtspeicher liegen dabei am oberen Ende, Wärmepumpen meist weit darunter.
- Unter 50 kWh/m²a kann Direktstrom noch vertretbar sein, wenn die Nutzung kleinräumig bleibt.
- Ab etwa 100 kWh/m²a wird jede Direktheizung schnell teuer.
- Bei größerem Umbau oder Neubau würde ich fast immer zuerst eine Wärmepumpe oder eine deutlich effizientere Lösung prüfen.
Gerade bei Revitalisierung und historischer Bausubstanz ist das der nüchterne Maßstab: Die beste Technik bringt wenig, wenn die Gebäudehülle die Wärme wieder verliert. Wer Bedarf, Tarif und Nutzungsprofil sauber zusammendenkt, bekommt eine realistische Monatsrechnung statt einer bösen Überraschung.